Mein Weg zum Marathon (3): Grenzerfahrung

Laufen geht immer. Den ganzen Tag tapeziert? Egal, am Abend kann man noch laufen. Gartenarbeit? Macht nix, trotzdem wird hinterher eine Runde gedreht. Doch am Wochenende geriet ich zum ersten Mal an meine persönliche Grenze – und bin dankbar für diese Erfahrung.


Vorbereitungen für eine Feier stehen an und ich wäge sonntags um 7:30 Uhr ab: Erst laufen und dann kochen und dekorieren oder andersherum? Ich entscheide mich ganz klassisch für erst die Arbeit dann das Vergnügen, esse zwischendurch eine kleine Schüssel Frühstücksbrei, weil’s schnell gehen muss. Bis mittags sind vier Tassen Kaffee getrunken und um halb eins stehe ich startbereit für einen 90minüter.

Los gehts und ich freue mich über angenehme Temperaturen und einem Wohlfühltempo irgendwo zwischen 5 und 5:30 Minuten. Die Zeit vergeht wie im Flug, bis mich nach einer Drieviertelstunde aus heiterem Himmel ein regelrechter Holzhammer trifft: Der Mund wird trocken, der Hals kratzt, Durst kommt auf. Doch das ist nicht das Schlimmste. Plötzlich bekomme ich Hunger, die Gedanken kreisen sich nur noch um Essen. Merkwürdig, normalerweise verliert sich ein Gedanke bei einem Lauf nach wenigen Sekunden. Doch nun stelle ich mir eine Leckerei nach der anderen vor. Ein Müsliriegel. Eine Banane. Im Kühlschrank stehen noch Hummus- und Bulgursalate. Ein herzhaft belegtes Brötchen. Hätte ich nur Geld, da vorne ist eine Eisdiele!

So vergehen zähe Minuten, meine Pace verschlechtert sich zusehends, der nervöse Blick auf die Uhr, wie weit und wie lange noch, erfolgt im Staccato. Noch 20 Minuten. Das ist doch zu schaffen. Und habe ich nicht einen Bonbon in der Tasche. Natürlich zuckerfrei und keine Hilfe. Warum habe ich nichts mitgenommen?

Noch eine Viertelstunde und ich bin auf direktem Weg nach Hause. Nur noch an der Tankstelle vorbei,  über die Straße und einen Kilometer den Berg hinauf. Die Gedanken kreisen um Essen, gleichzeitig ärgere ich mich, nicht mal eine klitzekleine Zuckernotfallration eingepackt zu haben. Der Berg schließlich geht gar nicht mehr,  ich torkel den Weg nach oben, als hätte ich unterwegs eine Flasche Schnaps geleert.

Endlich,  die rettende Haustür. Ich stürze mich auf den Obstkorb und fresse mich regelrecht durch Nektarinen, Pflaumen und andere Früchte hindurch.

Mein wichtiges Fazit: vor einer längeren Laufeinheit unbedingt auf genug Essen und Trinken achten und für den Notfall etwas einpacken. Klar hätte ich unterwegs Hilfe per Smartphone rufen können,  doch als Läufer will man sich  keine Niederlage eingestehen. Was zwar albern,  aber eben auch Realität ist.

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